
Mit großer Bestürzung haben wir oben stehende Mail mit letzten Grüßen von Henrike Naumann gelesen. Im Alter von nur 41 Jahren ist sie an den Folgen einer viel zu spät diagnostizierten Krebserkrankung verstorben. Mit ihr verlieren wir einen herzlichen und lieben Menschen der auch gleichzeitig eine präzise Beobachterin gesellschaftlicher Bruchlinien und eine Künstlerin, die sich unbeirrbar mit den politischen und sozialen Realitäten ihrer Herkunft auseinandersetzte.
Als Zwickauerin blieb sie ihrer Heimatstadt stets inhaltlich verbunden. Ihre Arbeiten kreisten um die Umbrüche der Nachwendezeit, um Radikalisierung, Ideologien und die stillen Spuren politischer Gewalt im Alltag. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre installativen Arbeiten, in denen sie Möbel, Interieurs und Designästhetiken der 1990er- und 2000er-Jahre zu beklemmenden, klugen Kommentaren auf Rechtsextremismus und gesellschaftliche Verdrängung verdichtete. Ihre Werke waren keine lauten Anklagen, sondern analytische Räume – kühl inszeniert und gerade deshalb von großer Wucht.
Henrike Naumann verstand es, Biografisches mit Politischem zu verweben. Sie zeigte, dass Geschichte nicht abstrakt ist, sondern sich in Wohnzimmern, Jugendzimmern und Alltagsgegenständen einschreibt. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und fanden breite Anerkennung für ihre konzeptuelle Klarheit und ihre inhaltliche Dringlichkeit.
Ihr früher Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke – nicht nur in der zeitgenössischen Kunst, sondern auch im Diskurs über Erinnerung, Verantwortung und die gesellschaftlichen Folgen politischer Extreme. Mit 41 Jahren stand sie mitten in einem Schaffen, das noch viele Fragen stellen und neue Perspektiven eröffnen wollte.
Henrike Naumann hinterlässt ein Werk, das bleibt: unbequem, notwendig und von großer intellektueller Präzision. Ihr Blick auf die deutsche Gegenwart wird fehlen. Sie wird fehlen.





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